5 % Steuern mit Malta Firma — geht das überhaupt noch?

Sie kamen mit allem, was sie hatten.

Die OECD.
Die EU.
Die Presse.
Die G7.

Und ja: Sie haben ordentlich Lärm gemacht. Wieder einmal.

Die Regeln für Niedrigsteuerländer wurden verschärft. Und auf Pressekonferenzen und in Pressemitteilungen sah man wieder diese herrlichen Gesichter. Diese Gesichter, die sagen wollten:

Jetzt haben wir es aber wirklich geschafft.

Mehr Steuergerechtigkeit.
Weniger Schlupflöcher.
Endlich.

Ich war bei Erdbeben wie den Panama Papers und den Malta Papers mittendrin. Ich habe erlebt, wie Journalisten sich gegenseitig auf die Schulter klopften. Standhaft im Kampf gegen das kapitalistische Böse. Und gegen jeden, der seine private Steuererklärung nicht freiwillig auf Seite eins der Süddeutschen veröffentlichen wollte.

Historisches Stadttor von Mdina in Malta mit barocker Steinfassade

Willst du wissen, was nach den Panama Papers passiert ist?

Meine maltesische Steuerkanzlei ist explodiert.

Wir sind sogar in neue Büros gezogen, weil der Strom an neuen Mandanten einfach nicht abriss.

Danke, Süddeutsche Zeitung: Das war die erfolgreichste und gleichzeitig günstigste Marketingkampagne, die wir nie gestartet haben.

Warum Mandanten nach den Panama Papers erst recht nach Malta kamen

Natürlich gab es Änderungen.

Und es wird immer Änderungen geben.

Aber was ist nach den Panama Papers passiert? Und nach all den anderen neuen Regeln, die angeblich gegen niedrige und „unfaire“ Besteuerung kämpfen sollten?

Warum kamen mehr Mandanten nach Malta — und nicht etwa weniger?

Die Antwort ist aus meiner Sicht einfach:

Rechtssicherheit.

Vorher gab es oft Interpretationsspielräume. Eine Meinung hier. Ein Gutachten da. Manchmal auch die Einschätzung einer eher windigen Kanzlei.

Was die OECD getan hat — und bis heute tut — ist etwas anderes:

Sie hat einen stabilen, belastbaren Rahmen geschaffen.

Einen Rahmen dafür, wie man es richtig macht.

Wie man nachhaltig Steuern spart.

Oder, weniger diplomatisch gesagt:

Wie man weiterhin sehr niedrige Steuern zahlt. Ganz bequem.

Man muss nur die verdammten Regeln einhalten.

Die Regeln, die einem gegeben werden.

Natürlich wurden viele schwarze Schafe aussortiert. Aber Hand aufs Herz: Wer wollte die überhaupt?

Jetzt kommen die ernsthaften Unternehmer. Diejenigen, die bereit sind, umzuziehen. Substanz aufzubauen. Es richtig zu machen.

Vor der OECD war nicht immer zu 100 % klar, was „richtig“ überhaupt bedeutet.

Heute ist es kristallklar.

Vorbei sind die Zeiten der geheimen Schweizer Bankkonten und der versteckten Gelder irgendwo in der Karibik.

Heute macht man es offen.
Deklariert.
Transparent.
Regelkonform.

Man zahlt Steuern, ja.

Aber im Fall Malta sind es — wenn man es richtig macht — immer noch effektiv 5 % insgesamt.

Um meine eigene Frage also zu beantworten:

5 % Steuern in Malta — geht das überhaupt noch?

Hell yeah.

Maltesische Flagge vor der Skyline von Valletta mit Festungsmauern und Hafen

Die 15-%-Mindeststeuer — tötet sie Malta?

Eine der großen Veränderungen auf internationaler Ebene ist die Einführung der globalen Mindeststeuer von 15 %.

Diese Regelung musste von den EU-Mitgliedstaaten bis Ende 2023 in nationales Recht umgesetzt werden. Malta hat die Anwendung allerdings auf 2029 verschoben, um den Übergang von 5 % auf 15 % für die betroffenen maltesischen Unternehmen abzufedern.

Soll ich dir sagen, wie viele meiner Mandanten davon betroffen waren?

Nicht nur meine damaligen Mandanten.
Sondern alle Mandanten, die ich jemals hatte.

Nicht nur in Malta.
Auch in Großbritannien, Zypern, Hongkong und anderswo.

Null.

ZERO.

Vielleicht lag es an mangelndem Ehrgeiz. Vielleicht an der Größe unserer Kanzlei mit rund 50 Mitarbeitern. Vielleicht war es Zufall.

Aber wir hatten nie einen multinationalen Konzern mit mehr als 750 Millionen Euro Jahresumsatz als Mandanten.

Das sind drei Viertel einer Milliarde.

Ich hatte im Laufe meiner Karriere tausende Mandanten. Aber Mandanten dieser Größenordnung haben wir schlicht nie gewonnen.

Und darf ich ehrlich sein?

Ich wollte sie auch nicht.

Denn unterhalb dieser Schwelle hat sich praktisch nichts geändert.

Oberhalb davon dagegen sehr viel.

Mehr Regeln.
Mehr Steuern.
Und vor allem: deutlich mehr Bürokratie.

Kurz gesagt:

Wenn du nicht in der Nähe von 750 Millionen Euro Jahresumsatz bist, kannst du dich entspannen.

Malta ist weiterhin eine starke Option.

Aber.

Eine Malta-Gesellschaft war nie ein Briefkastenspiel

Es ist nicht damit getan, einfach eine Gesellschaft in Malta zu gründen.

Das war es nie.

Es muss echt sein.

Keine Briefkastengesellschaft. Kein Papierkonstrukt. Kein „wir tun mal so“.

Du kannst natürlich eine Gesellschaft in Malta gründen, während du selbst im Ausland lebst. Dann musst du dich aber mit den sogenannten CFC-Regeln beschäftigen.

Controlled Foreign Company.

Das bedeutet: Dein Wohnsitzstaat — in der Regel ein Hochsteuerland — wird dich nicht nur regelmäßig prüfen. Du wirst auch nachweisen müssen, dass in Malta tatsächlich ein echter Geschäftsbetrieb existiert.

Dass dort echter Wert geschaffen wird.

Echtes Büro.
Echte Mitarbeiter.
Echte Gehälter.
Echte Substanz.

Der Risiko-Test

Wenn du jetzt sagst: „Das ist machbar“ — oder sogar: „Das klingt doch relativ einfach“ — dann kommt der Punkt, den die meisten Mandanten unterschätzen.

Unternehmerisches Risiko.

Das Schicksal der maltesischen Gesellschaft muss offen sein.

Es muss ein echtes wirtschaftliches Risiko geben.

Wenn die Gesellschaft vom ersten Tag an reibungslos läuft — selbst mit echter Substanz — dann werden Fragen gestellt.

Denn jedes normale Unternehmen hat typischerweise eine Anlaufphase.

Man investiert Geld.
Man baut etwas auf.
Man weiß nicht, ob es funktioniert.
Man weiß nicht, ob jemals ein ordentlicher Ertrag zurückkommt.

Das ist Risiko.

Wenn dieses Risiko nicht vorhanden ist, liegt das meistens daran, dass bereits ein Wert nach Malta verlagert wurde.

Die Gesellschaft läuft so sauber und risikolos, weil man ihr etwas gegeben hat.

Mandanten.
Prozesse.
Software.
Zugang zu einem Wert, der die maltesische Gesellschaft vom ersten Tag an funktionieren lässt.

Willkommen bei der Wegzugsbesteuerung für Unternehmen.

Willkommen bei der Corporate Exit Tax

Eine solche Verlagerung ist nicht verboten.

Aber sie muss zu fremdüblichen Bedingungen erfolgen.

Und fremdüblich bedeutet:

verkauft.

Und verkauft bedeutet:

Besteuerung bei der nicht-maltesischen Gesellschaft.

Willkommen bei der Corporate Exit Tax.

Diese Steuer kann enorm sein.

Denn besteuert werden nicht nur bestehende Gewinne, sondern auch Gewinnerwartungen. Zukünftige Gewinne. Antizipierter Wert.

Die Logik ist eigentlich simpel:

Wenn du ein Unternehmen verkaufst, bekommst du als Verkäufer nicht einfach nur den Gewinn eines Jahres.

Du verkaufst das Unternehmen mit einem Aufschlag.

Die zukünftigen Gewinne erhöhen den Kaufpreis. Natürlich. Denn du ermöglichst dem Käufer, Geld zu verdienen, ohne selbst das ursprüngliche unternehmerische Risiko tragen zu müssen.

Verstehst du, worauf ich hinauswill?

Dasselbe Prinzip gilt, wenn du einer maltesischen Gesellschaft ermöglichst, Geld zu verdienen.

Und wenn diese Gesellschaft dir selbst gehört, musst du trotzdem bestimmen, zu welchem Preis du diesen Wert an einen fremden Dritten verkauft hättest.

Die Lösung?

Ein neues Geschäft aufbauen.
Eine neue Funktion schaffen.
Etwas entwickeln, das nicht verlagert, sondern in Malta neu erschaffen wird.

Wenn keine bestehende Funktion, kein bestehender Vermögenswert und kein bestehender wirtschaftlicher Wert übertragen wird, gibt es auch keine Exit Tax.

Die elegante Lösung: selbst nach Malta ziehen

Klingt kompliziert?

Ist es auch.

Es braucht Planung. Und im Fall einer Exit Tax oft auch Zahlung.

Dazu kommt: Ich kann dir garantieren, dass dein heimisches Finanzamt regelmäßig hinschauen wird.

Und genau deshalb sind, meine Damen und Herren, die allermeisten meiner Mandanten tatsächlich nach Malta gezogen.

Das löst fast alle laufenden Probleme auf einen Schlag.

Und man zahlt effektiv 5 % insgesamt.

Auf Gesellschaftsebene und privat.

Lass das kurz sacken.

5 %.

Alles deklariert.
Alles transparent.
Alles compliant.
Alles inklusive.

Türkisblaue Bucht in Malta mit ankernden Segelbooten und Katamaranen

Natürlich gibt es leider auch auf persönlicher Ebene eine Wegzugsbesteuerung, wenn man ein Hochsteuerland verlässt.

Das muss vor einem Umzug nach Malta unbedingt von einem lokalen Steuerberater sauber geprüft werden.

Warum das Leben in Malta die Substanzfrage fast von selbst löst

Ich habe über ein Jahrzehnt sehr komfortabel in Malta gelebt.

Aber eines muss klar sein:

Es ist nicht nur Malta selbst, an das man sich gewöhnen muss.

Denn auch wenn es „nur“ 5 % sind:

Es hat seinen Preis.

Du brauchst eine mehrstufige Gesellschaftsstruktur.

Der maltesische Gesetzgeber verlangt — vermutlich nicht ganz zufällig —, dass du in Malta Dienstleister einbindest, die dich bei dieser Struktur begleiten.

Corporate Service Provider.
Wirtschaftsprüfer.
Berater.

Das sind mehr oder weniger fixe jährliche Kosten.

Wenn du aber wirklich nach Malta ziehst — und nicht nur auf dem Papier — dann bist du selbst die Substanz.

Auch dann, wenn du von zu Hause arbeitest.

Viele meiner Mandanten mieten irgendwann nicht nur eine Wohnung, sondern auch ein Büro.

Aber der entscheidende Punkt ist:

Wenn du in Malta lebst, arbeitest du in Malta.

Der Wert entsteht in Malta.
Durch dich.
Von Malta aus.

Du musst nichts Künstliches bauen.

Du arbeitest einfach dort, wo du lebst.

Und damit erledigt sich ein Großteil der Substanzfrage ganz organisch.

Fazit

In einem politischen Klima, das Niedrigsteuerländer immer stärker bekämpft und die Regeln immer weiter verschärft, ist Malta weiterhin eine sehr reale Option.

Und ja:

Die 5 % liegen weiterhin auf dem Tisch.

Jedenfalls dann, wenn dein Umsatz unter 750 Millionen Euro pro Jahr liegt.

Die neuen Regeln haben die Hochsteuerländer noch einmal gestärkt.

Wenn du nicht nach Malta ziehst, wirst du dich auf dauerhaften Compliance-Druck einstellen müssen. Auf mögliche Steuern. Auf mehr Regeln. Mehr Nachweise. Mehr Verpflichtungen.

Ein echter Umzug nach Malta nimmt viele dieser Lasten ganz natürlich vom Tisch.

Und ermöglicht gleichzeitig eine effektive Gesamtsteuerbelastung von 5 %.

Man sagt, man zieht wegen der Sonne nach Malta.

Nun ja.

Dann genießt man die niedrigen Steuern eben umso mehr.

Disclaimer

Dieser Artikel ist in einer redaktionellen Stimme geschrieben — persönlich, stellenweise polemisch, technisch dort, wo es darauf ankommt, und bewusst klar dort, wo es nicht nach Lehrbuch klingen muss.

Er ist keine steuerliche Beratung.

Jeder Einzelfall ist anders und hängt von Wohnsitz, Struktur, Einkunftsquellen und zahlreichen weiteren Faktoren ab, die hier nicht vollständig behandelt werden.

Wer über eine Malta-Struktur oder einen Umzug nach Malta nachdenkt, sollte sich von einem qualifizierten Berater beraten lassen — idealerweise von jemandem, der so etwas nicht nur aus Kommentaren kennt, sondern tatsächlich schon umgesetzt hat.

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